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Ich war nicht gerade der Prototyp für eine akademische Karriere

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admin@finoptima.ch
Date Released
November 13, 2025
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Kleiner als die anderen, etwas übergewichtig, mit italienischen Wurzeln.
Beide Eltern wanderten Anfang der 1960er Jahre aus Italien in die Schweiz ein.

Ich bin in den 1970er Jahren aufgewachsen, in einem Umfeld, in dem es für Kinder mit Migrationshintergrund selten selbstverständlich war, sich in der damaligen Gesellschaft und im Bildungssystem durchzusetzen.
Mobbing, Ausgrenzung und rassistische Bemerkungen gehörten zum Alltag.
Unsere finanziellen Mittel waren begrenzt. Markenkleidung, Sportausrüstung, Musikinstrumente oder Skilager waren Luxus und verlangten immer einen besonderen finanziellen Aufwand meiner Eltern.

Ich war oft der Außenseiter. Wegen meines Namens, meiner Herkunft, meines Aussehens.
Und wegen der üppig belegten Mortadella-Brötchen in der Pause, während meine Mitschüler gesundes Obst aßen.

Aber ich hatte etwas, das man nicht kaufen kann und das mein Umfeld immer wieder erstaunte:
Schlagfertigkeit. Eigensinn. Neugier. Immer ein unverkennbares Leuchten der Hoffnung in den Augen. Und eine gute Portion Intelligenz.
Ich konnte mich in verschiedenen Sprachen eloquent ausdrücken, war stark im Fußball und verspürte den Drang, mich zu beweisen. Mir selbst, aber auch den anderen.

Ich war der erste Italiener in meiner Gemeinde, der die Sekundarschule besuchte.
Später war ich einer der ersten in der Stadt Bern mit Migrationshintergrund, der ans Gymnasium zugelassen wurde und die Matura bestand.
Und, soweit ich weiß, der erste Student italienischer Herkunft an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern – was sogar einen Journalisten einer Tageszeitung dazu veranlasste, damals ein Interview mit mir zu führen.

Viele meiner damaligen Kollegen gingen andere Wege:
Handwerksberufe, einfache Jobs, einige leider auch in die Drogenszene oder Kriminalität.
Ich stand oft an Weggabelungen, an denen ich hätte abbiegen können.
Aber ich blieb. Standhaft und zielorientiert.

Ich ging dorthin, wo niemand mich erwartete. Ich studierte, machte meinen MBA, arbeitete, lernte. Lernte viel.
Ich arbeitete in Bern, Zürich, Genf, London, New York und Chicago.
Ich habe Verwaltungsräte, internationale Marken und Teams geleitet, Banken beraten, Schulungen durchgeführt, ein Unternehmen gegründet.

Und ich habe nie vergessen, woher ich komme.

Heute bin ich ein erfolgreicher Unternehmer, Coach und Mentor. Und wenn ich auf meine Geschichte zurückblicke, weiß ich:
Ich bin nicht der Lauteste. Aber einer, der sich durchkämpft, einer, der gelernt hat zu kämpfen.
Jemand, der bleibt. Jemand, der mit Prinzipien und Optimismus durchs Leben geht.

Und manchmal ist genau das nötig – in einer Welt, die sich ständig verändert und in der manche Werte mit Füßen getreten werden.

„Potentiale entfalten – Erfolge feiern.“

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